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[ Tat | too ]

Die Geschichte der Tätowierung ist fast so alt, wie die Geschichte der Menschheit.
Die wahrscheinlich ältesten bekannten Tätowierungen auf einem menschlichen Körper trägt Ötzi, die Gletschermumie aus den Ötztaler Alpen. Insgesamt trägt er 47 Einzeltätowierungen, die zu 15 Tatoogruppen zusammengefasst sind.

Wo genau sich die Kunst des Tätowierens zuerst herausgebildet hat, ist allerdings immer noch völlig unklar, da es den Anschein hat, daß auf allen Kontinenten und in nahezu jeder ethnischen Gruppe Tätowierungen aus den verschiedensten Gründen verwendet wurden. Es kann durchaus davon ausgegangen werden, daß sich diese Kunst unabhängig von Volksgruppe und Entwicklungstufe relativ zeitgleich entwickelte.

Nicht ganz so unklar ist die Herkunft des Wortes "Tatttoo". Man geht davon aus, daß sich diese Bezeichnung aus dem polynesischen "Tatau" entwickelte. Dieses Wort ist wahrscheinlich lautmalerisch aus dem Geräusch entstanden, welches beim Klopfen auf den in Polynesien benutzten Tätowierkamm entsteht.

Für das Bekanntwerden der Tätowierung als Körperschmuck ist der englische Seefahrer und Entdecker James Cook verantwortlich, der von seinen Reisen nach Mikronesien und Polynesien sowohl das ursprüngliche Wort als auch lebende "Ausstellungstücke" wie den tahitischen Prinzen Omai mit nach Europa brachten. So entwickelte sich aus dem ursprünglichen "tatau" über "tattaw" und "tattow" schließlich das Tattoo, welches auch heute noch in Gebrauch ist.

 

Maori mit Gesichtstätowierung

Betty Broadbent - die tattoed Lady

Typische Seemanns-Tattoos

Die Geschichte der Tätowierung als Kunst begann in Europa so richtig mit den politischen Änderungen zwischen dem späten 18. und dem späten 19. Jahrhundert. Im Verlauf dieser Umwälzungen (u.a. der französchen Revolution) wurden Tätowierungen als Ausdruck der eigenen Überzeugungen verwendet. So befanden sich auf der Haut Karls des XIV die verschiedensten Tattoos: sein Geburtsdatum, seine Initiale, eine Jakobinermütze, ein Schädel mit gekreuzten Knochen, ein Hakenkreuz sowie der Spruch:"Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - Tod dem König".

Dekorative Zeichen kamen damals fast überhaupt nicht vor, die Tätowierungen beschränkten sich auf politische und religiöse Bekenntnisse, die wiederum von der katholischen Kirche als heidnische "Kritzeleien" verteufelt wurden.

In Deutschland wurde das Tätowieren zwischen 1880 und 1890 zu einer regelrechten Modeerscheinung. So verloren die Hautbilder nach und nach ihre Exotik und wurden langsam von der Allgemeinheit als "normal" betrachtet, wenn auch noch lange nicht akzeptiert. Aus dieser Zeit stammt auch die Stigmatisierung der Tätowierten, jeder Träger eines Tattoos wurde sofort als Krimineller abgestempelt. An diesem schlechten Ruf konnten auch die seriösesten ethnologischen Abhandlungen lange Zeit nichts ändern.

Bizarrerweise sah die führende Oberschicht das ganz anders. Die höchsten Kreise waren die Ersten, die sich Ihre Haut verschönern ließen. Der Prinz von Wales, der Herzog von York, König Edward VII, Zar Nikolaus II, der Sultan von Jahore, die dänischen Prinzen Christian und Karl, der Herzog von Sachsen-Coburg, der König Georg von England, Prinz Christian-Viktor von Dänemark, Prinzessin Chiay, der König von Griechenland, Prinz Heinrich von Preußen, Kronprinz Rudolph von Österreich waren einige der prominentesten Tätowierten ihrer Zeit.
Aus jener Zeit stammt auch der Spruch: "Wer sich tätowiert, ist entweder ein Verbrecher oder ein degenerierter Adeliger".

 

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